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Alpha Mythos

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Der „Alpha Mythos“
Günther Bloch auf dem 2. Internationalen Wolf-Symposium in Neuruppin

 

Gerade in diesen Zeiten regen die Beobachtungen und Erkenntnisse des Wolfs- und Hundespezialisten Günther Bloch zum Nachdenken an: Der Wolf kann uns in Sachen Sozialkompetenz, Zusammenhalt und Führungskultur einiges lehren.

 

Es war unglaublich spannend und interessant. Es begann schon am Vortag des Symposiums. Ich war zum ersten Mal bei der Mitgliederversammlung der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe e.V. dabei, wo ich seit einem Jahr Mitglied bin und seit Freitag die Öffentlichkeitsarbeit mit gestalten darf.
Nach Jahrhunderten dauernder Verfolgung und Ausrottung kehren die Wölfe in Deutschland und in vielen Regionen Europas in einige ihrer angestammten Gebiete zurück. Um vielfach entstehenden Problemen mit der Bevölkerung, Fehlinformationen und alten Ängsten („böser“ Wolf, Rotkäppchen-Syndrom)entgegenzutreten, setzt sich die Gesellschaft zum Schutz der Wölfe e.V. ein, den Wölfen zu helfen. Eine gute und wichtige Aufgabe, finde ich. Denn Wölfe sind faszinierende sehr soziale Wesen, von deren Sozialkompetenz wir Menschen eine Menge lernen können, wenn wir unsere Sinne hierfür öffnen. Auf dem Symposium hat mich der Vortrag des  bekannten Wolfs- und Hundeforschers Günther Bloch fasziniert, besonders die wunderbaren Videoaufnahmen von frei lebenden Wölfen in Kanada, die er im Vortrag kommentiert hat. Günther Bloch verbringt seit einiger Zeit bereits Teile des Jahres in Kanada zur Beobachtung freilebender Wölfe. In seinen Filmen und Büchern dokumentiert er immer wieder eindrucksvoll die Sozialstrukturen von Wolfsrudeln, die viel eher einen Familienverband darstellen als eine klassische „Hackordnung“, in der  sich ein übermächtiger Alpha in Ellbogen-Manier an die Macht kämpft und ständig Machtanspruch demonstriert.

 

Der „Alpha“-Mythos


Das finde ich spannend, denn wie oft habe ich im Zusammenhang mit Wölfen oder auch Hunden schon vom so wichtigen „Alphastatus“ oder auch vom Menschen als „Alphatier“ für den eigenen Hund gehört oder gelesen. Gerne wird das „Alphatier“ auch strapaziert in Berichten über Chef-Etagen. „Was braucht ein Alphatier?“ So die Titel neuester Artikel über Führungsetagen. Auf dem Wolf-Symposium lerne ich einiges, was hierzu Klarheit bringt. Zunächst gilt es, nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Bei der Analyse der hierarchischen Strukturen bei Wölfen ist nämlich zunächst einmal wichtig, ob es sich bei den beobachteten Wölfen um Gehege-Wölfe handelt oder um frei lebende Rudel. Diese gibt es nämlich nur in Freiheit, denn ein Rudel ist immer eine innerartliche Gruppe zusammenlebender Tiere, die eine natürliche Hierarchie bilden (Eltern, Kinder, Geschwister…). Im Alter von 2-3 Jahren verlassen die Jungwölfe in der Regel das Rudel, um einen eigenen neuen Verband zu gründen. Man geht auf die Suche nach einem geeigneten Partner und Territorium. Bei Gehege-Wölfen handelt es sich oft um zufällig zusammengestellte Gruppen von Tieren. In einer solchen Zufallsgemeinschaft, gibt es keine natürliche Familienstruktur. Sie leben demnach immer in einer Sondersituation zum einen näher am Menschen und zum anderen in völlig anderen Bedingungen, was die Fortpflanzungsmöglichkeiten und sozialen Strukturen betrifft. Kommt beispielsweise in einem Gehege-Rudel ein Wurf zur Welt so gibt es keine Möglichkeit für die nachkommende Generation, das Rudel (Gehege) zu verlassen. Es kommt also ohne die Koordination des Menschen (Herausnahme von Wölfen) mitunter viel schneller zu Konflikten untereinander, was einer typischen Hackordnung entspräche. Diese Unterscheidung ist enorm wichtig und wird mir durch die Filmdokumente von Günther Bloch und beim gemeinsamen Besuch des Wolfsgeheges im Tierpark Kunsterspring im Rahmen des Wolf-Symposiums noch klarer. Hier lebt derzeit eine Wölfin in einem separaten Gehege, da sie aus der bestehenden Gruppe aufgrund eskalierender Konflikte heraus genommen werden musste.

 

Besonders interessant ist aber, wie anfangs erwähnt, die Familienstruktur der frei lebenden Wölfe. Der erfahrene Wissenschaftler L. David Mech (U.S. Geological Survey, Vice President International Wolf Center) erforscht bereits seit mehr als 50 Jahren die Wölfe und ihre sozialen Strukturen. In den späten 90er Jahren beobachtete er intensiv die Interaktion zwischen Wolfseltern und ihrem Nachwuchs. Er lebte hierfür mehrere Sommer lang mit einem Rudel wilder Wölfe auf Ellesmere Island, nahe dem Nordpol, zusammen. Nach diesen Forschungen beschloss er, die Fehlinformationen über das Alpha-Konzept zu korrigieren. Viele Veröffentlichungen von ihm und weiteren Forschern haben seitdem dafür gesorgt, dass die neuen Erkenntnisse mehr und mehr wissenschaftlich anerkannt und auch durch die Medien und Öffentlichkeit verbreitet werden. 20 Jahre dauert es in der Regel, bis eine neue wissenschaftliche Erkenntnis allgemein anerkannt wird, schreibt Rolf Jäger. 1. Vorsitzender der GzSdW e.V. in der Vereinszeitschrift, den Rudelnachrichten, Ausgabe März 2009, in der er sich ebenfalls ausführlich den Irrwegen des Alpha-Konzeptes widmet. Einige Zeit des Forschens ist vergangen, und der aktuelle Vortrag mag belegen, dass es voran geht mit der Klärung.

 

Wolfsfamilien


Denn auch im Vortrag von Günther Bloch wird deutlich: Wolfsrudel sind Familien. Es gibt eine natürliche Rudelstruktur: zwei Eltern, Leitwolf und Leitwölfin, die monogam leben, das Rudel mit der nötigen Konsequenz, Verantwortung und vor allem feinen Gespür lenken und für Nachkommen sorgen. Jedes Rudelmitglied hat seine Aufgabe: bei der Jagd, Sicherung des Territoriums, Verteidigung von Ressourcen und kommen Welpen zur Welt, auch bei Aufzucht und Anleitung/Erziehung der Jungen. Ist die 1. Generation Welpen noch nicht abgewandert und die 2. Generation folgt, so ist es gemeinschaftlich Aufgabe der älteren Geschwister wie der Eltern, den jüngsten Nachwuchs anzuleiten. Hierbei haben die Welpen oft einige Freiheiten. Ihnen werden zwar Grenzen aufgezeigt, allerdings haben sie einen tolerierten Spielraum, um sich auszutesten und Umfeld und Artgenossen zu erforschen. Gerade das finde ich interessant, gibt es zu den Regeln des Zusammenlebens, zu Grenzen und Freiheiten, doch so viel Literatur für Mensch und Hund, die sich auf das Zusammenleben der Wölfe bezieht. Und ebenso viele offene Fragen: Was kann man auf unsere Hundewelpen und deren Bedürfnisse und Erziehung übertragen? Wie sind die sozialen Strukturen im Zusammenleben von Mensch und Hund zu bezeichnen? Und was können wir Menschen generell vom Sozialverhalten der Wölfe lernen?

 

Da fallen mir besonders zwei Beispiele ein, wofür das Wolfsrudel immer wieder gerne als Vorbild genommen wird. So lautet denn die Anweisung ans „menschliche Alphatier“: Ranghöhere fressen vor rangniedrigeren Rudelmitgliedern.

 

Kuriose Familientreffen rund ums „Alphatier“


Die Folge sind mitunter kuriose Familientreffen: Da werden alle Familienmitglieder zu vereinbarten Zeiten zusammen gerufen. Treffpunkt Küche! Gemeinsam stellt man sich auf, um vor dem frisch erworbenen Welpen demonstrativ einen Keks zu essen, bevor dieser, der den Menschen dabei verwundert zusieht, dann gütig seinen Napf bekommt. Man solle damit seine Alpha-Position behaupten – so der allgemeine Tenor.

Seriöse Verhaltensbeobachtungen, u.a. die Filmdokumente, die ich mit eigenen Augen sehe, belegen: Keineswegs werden Wolfswelpen von den Leittieren von der frisch gerissenen Beute per Machtdemonstration („Ich bin der Alpha“) ferngehalten, und ihnen werden gütig die Reste gelassen, wenn überhaupt. Die Nachkommen sichern den Fortbestand der Art. Nichts liegt den Eltern ferner als ihren Nachkommen die Energiezufuhr demonstrativ zu verweigern. Die einzelnen Rudelmitglieder „erobern“ sich ihre Plätze an der Beute und fressen. Alle zusammen. Allzu gierige Mäuler werden per Körpersprache deutlich zurechtgewiesen und auf ihre Plätze verwiesen. Allerdings von rangniedrigen wie ranghohen Familienmitgliedern gleichermaßen. Hier geht es weniger um Ranggefechte sondern vielmehr um das situative Platzrecht an der Beute. Hier wird dann gleichzeitig deutlich, wer sich mit Führungsaufgaben später leichter oder auch schwerer tut. Es wird deutlich, wer was zu lernen hat, sich leichter durchsetzt oder auch um Unterstützung bittet. Ein grundsolides soziales Gefüge, welches durch sinnlose Machtspielchen nur Energie vergeuden würde, die im Ernstfall dringend benötigt wird. In Zeiten von Engpässen  was verfügbares Futter angeht, beispielsweise.


Wir empfehlen wirklich von Herzen das wunderbare Buch von Günther Bloch und dem Schweizer Naturfotografen Peter A. Dettling.

Das Buch beschreibt das soziale Miteinander mehrerer Wolfsfamilien, welche im Bowtal leben oder gelebt haben. Die Hauptbotschaft ist, dass Wölfe nicht gefühllose Killer sind. Wölfe sind Individualisten, einzigartig in ihrem Verhalten und in ihren Gepflogenheiten. Die Aktionen und Traditionen von Wolfsfamilien reflektieren das kollektive Zusammenspiel verschiedener Individuen. Menschen könnten vieles über sich selbst lernen, würden sie das wölfische Leben nur genauer betrachten und versuchen, es zu verstehen (Auszug Pressetext).

 

Mit viel Geduld und großem Respekt näherten sich Günther und Karin Bloch den Wölfen in freier Wildbahn und wurden mit atemberaubenden Verhaltensaufnahmen belohnt, die ihresgleichen suchen.

 

Günther Bloch | Peter A. Dettling
Auge in Auge mit dem Wolf
Kosmos Verlag (1.April 2009)

 

Zu bestellen über:
wolf-shop@gzsdw.de
Jede Bestellung unterstützt die Arbeit der GzSdW.

 

„Alphatiere“ gehen voraus?


Eine weitere  These des „Alpha-Mythos“ ist das Vorausgehen des „Alphatieres“. Panik sehe ich oft in den Augen von Hundebesitzern, macht der Hund auch nur die leisesten Anstalten, seine Pfoten vor die Füße des Besitzers zu setzen. Tut der Hund dies, sei er dominant und vermutlich im Hause ebenso „Alphatier“. Im Film sehe ich das Wolfsrudel durch den Wald streunen. Mal ist der eine, ein anderes Mal der andere vorne. Wohl bedacht sind aber alle darauf, dass das Rudel zusammenbleibt.

 

Vor allem die Jungwölfe orientieren sich völlig natürlich an den Älteren. Die jüngeren Wölfe haben so pausenlos Gelegenheit vom Verhalten der Älteren zu lernen – völlig natürlich. Sie beobachten genau und ziehen mit. Wäre es nicht besser, Hundewelpen würden ähnlich von uns Menschen angeleitet?  Ohne die ständigen Ängste, Sorgen, Bedenken, Zweifel, die wir dann leider jede Sekunde  aussenden, aus Sorge darum, es nur ja richtig zu machen?  Darf er so weit in den Wald? Darf er hier markieren? Darf er vor mir laufen? Immer wieder geht es in der Literatur, im TV, in Trainings-Tipps darum, dass man verhindern möge, den Hund  in der familiären Hierarchie zum alle Familienmitglieder dominierenden „Alpha“ aufsteigen zu lassen. Da interessiert mich natürlich eine Expertenmeinung, um der Sache auf den Grund zu gehen.

 

Der Mensch als „Alphatier“


Nadin Matthews ist heute bei mir und meinem „Rudel“ zu Besuch. Ich bitte sie um einen Expertenbeitrag. Sie macht es gern, worüber ich mich sehr freue, denn die Fragen brennen mir auf den Lippen. Nadin Matthews kennt sich bestens aus im Thema: Sie hat bereits mit Dr. Erik Ziemen zusammen gearbeiteten leitet heute ihre eigene Fortbildungsakademie „DOGUMENT“. Auch Günther Bloch kennt sie gut. Meine Fragen an sie drehen sich natürlich darum, was der Mensch vom Wolf und den sozialen Strukturen des Zusammenlebens lernen kann. Und neugierig bin ich auch darauf, wie ihrer Meinung nach der Mensch ein gutes „Leittier“ für seinen Hund ist. Kann man dies so sagen? Der Mensch ist schließlich „außerartlicher“ Sozialpartner.  Fragen über Fragen,  und hier einige Antworten einer angesehenen Expertin:

 

Nadin Matthews


kommt ursprünglich aus der sozialen Arbeit mit Menschen. Nach ihrer Tätigkeit bei CANIS, Zentrum für Kynologie, wo sie gemeinsam mit Dr. Erik Ziemen die inhaltliche Leitung verantwortete, führt sie heute ihre eigene Akademie für Mensch und Hund „DOGUMENT“. Als gefragte Expertin berät sie Menschen mit ihren Hunden und ist kynologische Dozentin auf zahlreichen Veranstaltungen.

 

Was lernt der Mensch vom Wolf, Wolfsleben und den sozialen Strukturen in einem Wolfsrudel?


Obwohl Menschen und Wölfe biologisch gesehen nicht verwandt sind, gleichen sich ihre sozialen Strukturen mehr als bei Menschen und Primaten. Somit kann man sich der Wölfe gerne als Referenzsystem bedienen. Wenn ich eines benennen müsste, was man von Wölfen lernen kann, dann wäre es Streitkultur. Kein Wolf wartet mit Kritik ab, sondern reagiert auf soziale Unstimmigkeiten oder „unerwünschtes“ Verhalten sofort. Das bewirkt eine klare Kommunikation, die der Situation immer angemessen ist. Aggression, die ein Bestandteil des normalen Verhaltens ist und zum Beispiel dazu dient, den anderen auf Abstand zu bringen, verläuft ritualisiert. Es gibt eindeutige und fein differenzierte Signale dazu. Wölfe haben keine Wutanfälle. Sie verletzen in der Regel andere Rudelmitglieder nicht. Wenn ein Wolf droht, dann zeigt er parallel auch immer Verhaltensweisen, die dem anderen Tier bedeuten, dass es trotzdem der Gruppe angehört und dies auch so bleibt. Ein Beispiel dafür ist die „licking intention“ – also das Lecken der eigenen Schnauze, das während des Drohens gezeigt wird. So teilen Wölfe sich mit, dass sie zwar streiten, aber trotzdem zusammengehören. Ein toller Umgang mit aggressiven Auseinandersetzungen. Menschen brauchen oft Wut, um sich aggressiv auseinanderzusetzen, warten sehr lang und explodieren dann. Das ist für andere Menschen gerade Kinder schwer nachvollziehbar und für Hunde übrigens auch.

 

Welche sozialen Strukturen gibt es im Zusammenleben von Mensch und Hund?


So unterschiedlich wie Menschen und Hunde selbst und das Ganze auch noch übersummativ.
Allgemein lässt sich sagen, dass die Mensch-Hund-Beziehung eine wirkliche Besonderheit darstellt. Zwei verschiedene Arten leben eng aufeinander abgestimmt zusammen. Zum Beispiel geht ein Mensch mit seinem Hund auf eine „Spielwiese“, um ihn dort abzuleinen. Der Hund trifft auf Artgenossen. Es bestünde nun die Möglichkeit für ihn, sich einer neuen Gruppe anzuschließen oder mit einem Artgenossen eine Familie zu gründen. Verlässt der Mensch aber die Hundewiese, so entscheidet sich der Hund in der Regel für „seinen“ Menschen und gegen andere Hunde. Dieses Verhalten zeugt von einer starken Bindung und belegt, dass Menschen und Hunde eine soziale Gruppe bilden, die einem Rudel oder einer Familie ähneln, wenn auch die gemeinsame Reproduktion fehlt.

 

Was ist wichtig, wenn ich als Mensch „Leittier“ für meinen Hund sein möchte?


Ob man es  nun Leittier oder Erziehungsberechtigter nennt, sei erst einmal dahin gestellt. Wir müssen dafür Sorge tragen, dass sich unsere Hunde in die bestehende Gesellschaft gut integrieren. Dies ist ein Spagat zwischen dem Erfüllen unterschiedlicher Bedürfnisse. Nämlich die des Hundes, die eigenen und die der Öffentlichkeit/Umwelt, diese widersprechen sich zum Teil. Menschen und Hunde verfolgen nicht immer die gleichen Ziele.
Wölfe zum Beispiel halten sich nicht gegenseitig vom Jagen ab. Wir unsere Hunde im besten Falle schon.
So steht neben der Verlässlichkeit in der Beziehung auch das Aufrechterhalten von Regeln, die Einschränkungen beinhalten. Ohne Grenzen keine Freiheit. Um Hunden dies klar zu kommunizieren, braucht man zunächst ein Bewusstsein über die eigene Körpersprache. Menschen sind sehr digital ausgerichtet, ein Hund hingegen kommuniziert ausschließlich analog. Und dann können wir uns doch noch einmal an dem Führungsstil der Wölfe orientieren: Souveränität, Gelassenheit und auch Fürsorge ist sinnvoller als permanent zu schreien, dass man der Chef ist. Den sollte man auch so erkennen können.

 

Einschätzbare verlässliche Sozialpartner


Genau wie die Wölfe im Rudel brauchen Hunde eines auf jeden Fall: ein soziales Gefüge mit klaren Regeln, die auch klar kommuniziert werden – hauptsächlich über direkte und unmissverständliche Körpersprache. Genau dies betont Günther Bloch auch noch einmal in seinem Vortrag. Er hat aus den Jahren Verhaltensbeobachtung von freilebenden Wölfen in Kanada sowie freilebenden Wildhunden in der Toskana viele wichtige Erkenntnisse gezogen, die auch für das Zusammenleben mit unseren Haushunden von großem Nutzen sind.

 

Wölfe wie Hunde brauchen einen sozialen Rahmen, der verlässliche Bindungen ermöglicht und klare Strukturen definiert, was Grenzen und Freiheiten betrifft. Über Jahrtausende hat sich der Hund als domestiziertes Tier im Gegensatz zum Wolf an den Menschen als seinen Sozialpartner angepasst. Er kann uns „lesen“ und einschätzen wie kein anderes Tier. Möchten wir also „Leittiere“ für unsere Hunde sein, ist die allererste Voraussetzung, dass wir als einschätzbare verlässliche Sozialpartner auftreten. Günter Bloch betont hier besonders, dass der Mensch zunächst einmal sein Ego herausnimmt. Ich ergänze mit dem Satz, den ich meinen Kunden oft mitgebe: Agieren und klar führen, aber im richtigen Moment fünf gerade sein lassen.

 

Ob nun Alpha- oder Leittier: Ein ebensolches tritt nicht ständig Machtanspruch demonstrierend auf sondern glänzt durch kompetentes und souveränes Auftreten und Handeln – mit einer gewissen Selbstverständlichkeit und sehr authentisch. Leichter gesagt als getan. Denn allzu gerne hat man doch die Patentlösung, DIE Methode oder einen Katalog an passenden Reaktionen, die einfach einzustudieren sind. Aus menschlicher Sicht!

 

Öffnen wir allerdings unsere Sinne und entdecken die vielen Möglichkeiten, die auch für uns selbst im Kontakt zu unseren Hunden stecken dann werden wir auch in anderen Lebensbereichen davon profitieren: Wir werden ruhiger, gelassener, sind verlässlich. Wir öffnen unsere Sinne auch für die individuellen Bedürfnisse der Menschen, die uns täglich umgeben: Partner, Kinder, Freunde, Mitarbeiter. Die beste Win/Win-Situation, die sich Mensch und Hund vorstellen können.

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