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Aufschieberitis – wie wir Disziplin und Willensstärke trainieren können

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Aufschieberitis – wie wir Disziplin und Willensstärke trainieren können 

 von Michaela Knabe, coachdogs® Akademie

 

Was treibt uns eigentlich an? Warum ziehen wir manche Dinge eine Zeit lang durch und andere nicht, obwohl wir es uns doch so sehr wünschen? Woher kommt Disziplin und kann man sie vielleicht sogar lernen?
 
Manchmal gehen wir einen ganzen Sommer lang jeden Morgen joggen. Es hat uns wahnsinnig gut getan, doch dann kam der Winter. Wir hören auf und fangen nie wieder an. So geht es vielen. Wir nehmen uns etwas vor, eine Zeit lang funktioniert es, dann plötzlich nicht mehr. Sind wir überhaupt in der Lage, diese Aufschieberitis zu überwinden, unser Verhalten zu steuern und Vorsätze durchzuziehen? Unsere Willenskraft lokalisiert sich in unserem Gehirn und jeden Teil davon können wir bewusst trainieren. Dazu müssen wir uns immer wieder überwinden, etwas zu tun, das uns nicht leichtfällt, also unseren Willen ganz bewusst einsetzen. Es gibt im Laufe des Tages hunderte Situationen, in denen wir sagen können: ich mache jetzt das, was vernünftig ist, und nicht das, was mir leichtfällt.
 
Nun hören und lesen wir ja oft, dass es grundsätzlich gesünder und glücksversprechender sei, auf sein Gefühl zu hören. Tatsache ist: wir brauchen beides, Vernunft und Gefühl. Denken wir nur an Menschen, die ihre Willenskraft immer fest im Griff haben. Diese wirken in der Regel nicht sehr sympathisch. Sympathisch werden wir, wenn wir intuitiv und emotional reagieren, Schwäche zeigen. Ein Zuviel an reinen Gefühlsentscheidungen ist jedoch genauso unangenehm. Unsere Handlungen sind dann nicht mehr ein- und abschätzbar und in der Folge verlieren wir das Vertrauen der anderen und das Vertrauen in uns selbst.
 

Das Streben nach Akzeptanz und Anerkennung
Interessanterweise ziehen wir Dinge oftmals eher durch, wenn uns jemand gewissermaßen dazu zwingt, wie zum Beispiel bei einer gesetzten Deadline im Job. Wir enttäuschen lieber uns selbst als andere. Als soziale Wesen ist die Akzeptanz von anderen Menschen unser Hauptantrieb im Leben. Wir brauchen den anderen nicht nur deshalb, weil niemand von uns hundertprozentig autark leben kann, wir brauchen einander vor allem auch emotional. Deshalb sind unsere Motivation und unser Verhalten darauf ausgerichtet, Akzeptanz von anderen zu bekommen. 
 
Auf der anderen Seite streben wir gleichzeitig auch nach Autonomie und wollen gar nicht auf die Anerkennung der anderen bauen oder gar davon abhängig sein. Wir möchten uns selbst genügen. Heute mehr denn je – ein wachsendes Problem. Viele leben nur noch nach dem Motto: Ich bin auf niemanden angewiesen. Wer oder was mich nervt, den oder das kann ich austauschen. Ich hole mir etwas dann, wenn ich es brauche. Wir haben durch das Internet ja schließlich so viele Möglichkeiten. Doch das ist ein Trugschluss.
 
Instinktiv suchen wir nämlich nach tiefen Verbindungen, nach Menschen, die uns samt unserer Persönlichkeit, unserer Stärken und Schwächen und unserer persönlichen Wertevorstellungen anerkennen und akzeptieren. Für unsere individuelle Weiterentwicklung brauchen wir außerdem das Feedback von anderen, eine Rückmeldung auf unser Verhalten. Wenn wir schon wieder weg sind, bevor diese Ebene überhaupt entstehen kann, weil wir ja autonom und unabhängig sein wollen, dann lernen wir auch nicht, wie wir unser Verhalten ausrichten können, um uns selbst dauerhaft disziplinieren und zu etwas motivieren zu können.
 
Übertragen auf die Motivation, Sport zu treiben, bedeutet das: womit verbinden wir den Wunsch, regelmäßig laufen zu gehen? Tun wir es für die Gesundheit? Tun wir es, weil es gut ist für die Figur? Weil wir weniger Rückenschmerzen haben? Weil wir uns geistig aufgeräumter fühlen und die Tage zufriedener beginnen? Und genau hier sollte unser Fokus liegen: auf dem, was wir uns damit jeden einzelnen Tag und langfristig Gutes tun. Und nicht auf den Gedanken, wie schwer es im ersten Moment ist, loszulaufen, wie lang die Strecke ist und was uns nach dem Laufen alles wehtun könnte. Die Freiheit des Menschen besteht vor allem darin, sich aussuchen zu können, woran er denkt und worauf er seine Aufmerksamkeit lenkt.
 
Ein weiterer wichtiger Punkt für mehr Willensstärke und Motivation: wenn wir mit anderen darüber reden, wie gut etwas für uns ist, bestärkt uns dies noch mehr darin, wie wichtig und richtig es ist. Es hilft, dass wir weitermachen. Wenn wir anderen etwas verdeutlichen, lernen wir es selbst am besten.
 

Das Geheimnis erfolgreicher Menschen
Woran liegt es nun, dass jemand nicht nur motiviert ist, sondern auch das erreicht, was er sich vornimmt? Unter den erfolgreichsten Leuten sind oft Menschen, denen man diesen Weg auf den ersten Blick gar nicht zugetraut hätte. Was erfolgreiche Menschen jedoch gemeinsam haben: sie alle haben ihre Ziele klar vor Augen und sind der Überzeugung, dass sie diese erreichen können, weil sie selbst die Gestalter ihres Lebens sind. Keiner von ihnen betrachtet sich als Opfer seiner Lebensumstände. Die Erfolglosen schon. Sie werden im Leben dauernd unfreiwillig Opfer der berühmten misslichen Umstände.
 
Natürlich können wir nicht beeinflussen, von welchen Eltern wir geboren werden, in welche Zeit wir geraten, wie wir aussehen, welches Geschlecht wir haben und welches Wetter heute ist. Von schweren Krankheiten und schlimmen Unglücken ganz abgesehen. Doch wir entscheiden, wofür wir uns interessieren, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten und worauf wir uns konzentrieren. Die für unsere Zufriedenheit entscheidende Frage ist einzig und allein: denken wir die ganze Zeit daran, was wir beeinflussen können, oder dauernd nur an das, was wir nicht beeinflussen können? Jammern ist aber auch zu einfach und so schön entspannend. Jeden einzelnen Tag mit einer positiven Einstellung aufzustehen ist hingegen mit einer unheimlichen geistigen Anstrengung und einer riesigen Erwartungshaltung verbunden. Im Grunde genommen ebenso anstrengend, wie jeden Tag laufen zu gehen.
 
Genauso, wie wir unseren Fokus und unsere Willenskraft trainieren können, können wir unser Gehirn auch auf eine zuversichtliche Grundhaltung konditionieren. Wir sind unseren Gedanken nicht ausgeliefert. Wir sollten unseren Blick auf die Dinge lenken, die uns ein schönes, erfülltes Leben schenken. Und nicht auf die Umstände, die uns davon abhalten. Fangen Sie im Alltag an. Bleiben Sie auch in unschönen Situationen gelassen und Sie haben die schönsten Erlebnisse. Was glauben Sie, wie die Leute reagieren, wenn Sie sich in schwierigen Situationen einfach mal anders verhalten, als sie es gewohnt sind? Wenn Sie das ein paar Mal erleben, motiviert das zum Weitermachen. Schon haben Sie Ihr Gehirn konditioniert. Und das bedeutet nicht, dass wir nicht auch mal impulsiv und emotional sein dürfen. Denn wie schon gesagt: wer immer nur willensstark ist, wirkt unsympathisch – solange wir im Auge behalten, in welcher Situation wir uns wie verhalten und uns ganz bewusst dafür entscheiden.
 
Love it, change it or leave it. Das ist der ganze Trick. Wenn uns etwas nicht passt, gibt es zwei Möglichkeiten: entweder wir können es ändern oder wir können es nicht ändern. Wenn Sie es ändern können, stecken Sie Ihre ganze Kraft in diese Veränderung. Wenn Sie es nicht ändern können, lassen Sie es los oder akzeptieren Sie es und richten Sie Ihren Fokus auf einen positiven Aspekt Ihres Lebens. Und davon gibt es immer einen, sei er auch noch so winzig.

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