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Klare Ansagen oder Kuschelkurs

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Souveräne Führung: klare Ansagen oder Kuschelkurs?

von Michaela Knabe, coachdogs® Akademie

 

Die Verwirrung darüber, wie gute Führung gelingt, war selten so groß wie heute. Noch sitzen viele Chefs der alten Schule ganz oben. Doch sie merken, dass Durchsetzungskraft und Härte bei der Basis nicht mehr richtig ankommen. Druck erzeugt Gegendruck. Und so wird aus dem gestern erfolgreichen autoritären Kontroll-Chef heute der freundliche Kumpel-Typ. Was früher die klare Anweisung von oben war, wird heute vorsichtig in Watte gepackt. Doch wer ist nun der bessere Chef?

 

Fakt ist: Empathie ist ein zentrales Führungsinstrument. Darüber ist sich die Businesswelt seit vielen Jahren einig. Sozialkompetente Führungskräfte können nicht nur das Betriebsklima deutlich verbessern, sondern darüber hinaus auch die Leistung der gesamten Unternehmensstruktur stärken. Ein nachhaltig gutes Betriebsklima steigert den Umsatz, da die Mitarbeitenden deutlich engagierter, verantwortungsbewusster, leistungsbereiter und zu mehr Eigenständigkeit in der Lage sind. Somit war die Empathie als Werkzeug für effiziente Führung schnell erkannt und als relevante Anforderung an jede Führungskraft in aller Munde. In vielen Unternehmen glaubt man, durch den Einsatz vermeintlich empathischer Führungskräfte den Gipfel des Führung-Olymps erreicht zu haben. Ein Trugschluss?


Selbstwahrnehmung und Rollenverständnis

Empathie bedeutet „Einfühlung“ und bezeichnet die Fähigkeit, sich sowohl in das eigene Weltbild als auch in die Gefühle und Gedanken von anderen hineinzuversetzen. Voraussetzung für Empathie ist also im ersten Schritt die Selbstwahrnehmung und Selbstkenntnis – und das ist für viele Führungskräfte die größte Herausforderung. Das eigene Handeln regelmäßig zu reflektieren sowie auf das eigene Handeln das richtige Feedback zu erhalten und auch anzunehmen, wird häufig als Kunststück empfunden.


Nur wer sich selbst genau kennt, ist auch in der Lage, andere zu führen. Dabei geht es um die innere Klarheit für die eigene Positionierung als Führungskraft. Welches Bild vermittle ich meinen Mitarbeitenden? Wie wirke ich auf andere und was bewirke ich mit meinem Verhalten? Was macht mich als Mensch aus und bin ich als Führungskraft für meine Mitarbeitenden transparent und berechenbar? Wofür stehe ich und wie gehe ich mit den unterschiedlichsten Situationen und Herausforderungen um?

 

Souveräne Führung ist kein Kuschelkurs

 

Empathie und souveränes Verhalten verlangt immer nach diesem klaren Rollenverständnis im Kontext der Führung. Ist dieses Rollenverständnis nicht geklärt, finden sich Führungskräfte sehr schnell auf einem unproduktiven Kuschelkurs mit ihren Mitarbeitenden wieder. Im Büro herrscht dann vermeintliche Familienidylle, die Unternehmensziele werden aus den Augen verloren und das gesamte Team genießt das Paradies der Mittelmäßigkeit. Dieser Weg dürfte für die meisten Chefs angenehmer sein als „Ellenbogen raus und Befehle bellen“. Doch spätestens, wenn es darum geht, die ambitionierten Ziele von oben zu bedienen, wird klar, dass eine Kuschelkultur allein nur die halbe Miete ist und oft zu Stillstand führt: Probleme werden tot geschwiegen oder es wird abgewartet, bis sie sich von selbst erledigt haben. Fehler werden sorgsam unter den Teppich gekehrt.

 

Angestellte wünschen sich neben guten Beziehungen zu Chefs und Kollegen jedoch auch klare Anforderungen und Ziele. Souveräne und empathische Führung verlangt also nach diesem klar kommunizierten Ziel, das den Mitarbeitenden die genaue Richtung vorgibt und die damit notwendige Orientierung und Sicherheit bietet. Die Aufgabe einer Führungskraft besteht dann darin, die Mitarbeitenden zu fordern und zu fördern, damit jeder einzelne dem Anforderungsprofil seiner Rolle gerecht werden und die dafür erforderliche Verantwortung übernehmen kann. Dazu gehören auch klare und konsequente Entscheidungen, ohne die sich sehr schnell die Frage stellt, ob das eigene Verhalten der Führungsverantwortung gewachsen ist. 
 

Empathische Führung bedeutet auch, als Führungskraft ab und an im Hintergrund zu bleiben, um zu erkennen, wann welche wohldosierte Hilfestellung erforderlich ist. Menschen brauchen Herausforderungen, um persönliches Wachstum zu erfahren. Erfolgserlebnisse steigern das Selbstbewusstsein und damit die Bereitschaft, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen. Das Maß an erforderlicher Hilfestellung, das jeder einzelne Mitarbeitende zur Erreichung der Ziele benötigt, ist dabei ganz individuell. Nachhaltige Mitarbeiterbindung resultiert aus persönlicher Karriereentwicklung und bedeutet, dass Sie jedem Mitarbeitenden genau das Maß an Führung zu teil werden lassen, das sie oder er benötigt.

 

Einige Unternehmen sind dazu übergegangen, Hierarchien vollständig abzuschaffen. Manager und Mitarbeitende auf Augenhöhe ist hier die Vision innovativer Unternehmensführung. Doch was zunächst nach Wertschätzung und Anerkennung klingt, ist für viele eine Überforderung, denn die Angst vor Fehlern beherrscht nach wie vor unsere Arbeitswelt. Mitbestimmung und Freiräume ja, aber bitte nichts selbst entscheiden. Je dynamischer das Arbeitsumfeld wird, desto mehr gewinnt die Eigenverantwortung an Bedeutung. Chefs auf Kuschelkurs verwechseln Eigenverantwortung jedoch gerne mit einem Freibrief, die Mitarbeitenden einfach machen und sie im Regen der auf sie einprasselnden Aufgaben stehen zu lassen. Mehr Eigenverantwortung bedeutet aber nicht weniger Führung. Ganz im Gegenteil: zunächst ist ein umso stärkeres Engagement als Führungskraft erforderlich. Regeln und Rahmenbedingungen müssen klar definiert werden, damit die Freiheiten nicht zu Willkür führen.

 

Souveräne Führung braucht Klarheit

 

Wer also glaubt, Empathie zeichne sich nur dadurch aus, seinem Gegenüber das stetige Gefühl von Behaglichkeit zu geben, wird seiner Führungsaufgabe nicht gerecht. Als Führungskraft ist es Ihre Aufgabe, hinter Ihren Mitarbeitenden zu stehen – nicht davor. Zu erkennen, wer Vertrauen statt Kontrolle benötigt oder wer nach genauer Anweisungen bzw. Überprüfung der Ausführung verlangt. Nur wer sich intensiv mit seinen Mitarbeitenden beschäftigt, sie beobachtet und deren Verhalten reflektiert, kann in ihre Gefühls- und Gedankenwelt eintauchen und sie verstehen. Sich ein klares Bild darüber zu verschaffen, mit wem man es zu tun hat, welche Aufgaben man an welchen Mitarbeitenden delegieren kann und wie viel Verantwortung jeder einzelne in der Lage ist zu tragen, setzt voraus, dass die Führungskraft die Emotionen und Bedürfnisse seiner Mitarbeitenden bewusst wahrnimmt. 

 

Alle Führungsstile der letzten Jahrzehnte basieren auf einer Grundlage: es sind Menschen, die führen und Menschen, die geführt werden. Mit ihren individuellen Werten, Motiven und Zielen sowie ihrem Wunsch nach Wertschätzung, Respekt und Anerkennung. Erfolg ist persönliche Ansichtssache, denn jeder von uns hat unterschiedliche Weltbilder und damit Vorstellungen von Karriere und persönlicher Entwicklung. Souveräne Führung ist eine Frage der inneren Haltung. Sie setzt Klarheit und Flexibilität im Denken und Handeln sowie die ständige Reflexion und das Bewusstsein sowohl über die eigenen, als auch über die Werte, Motive und Ziele der Mitarbeitenden voraus.

 

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