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Krimistunde

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Krimistunde mit Hund und Wein.

Carsten Sebastian Henn über seine Passionen

 

Nicht nur für Hundefreunde eine gelungene Mischung: Hunde, ein feines Gläschen Wein in südlichen Gefilden und ein gutes Buch. Das klingt nach schöner Lebensart, nach Entspannung und Natur. Der Autor Carsten Sebastian Henn bringt dazu noch etwas Spannung hinein – und fertig ist die perfekte Mischung für das entspannte Lesestündchen. Wir wurden neugierig!

 

Herr Henn, als Hundefreunde sind wir natürlich große Fans von Niccolò und Giacomo, den beiden italienischen Schnüffelnasen aus ihren grandiosen Hundekrimis. Sie schreiben aber nicht nur wunderbare Bücher sondern sind auch Weinjournalist und Italienliebhaber. Da werden wir ja gleich noch neugieriger und freuen uns, dass Sie sich die Zeit für ein Interview genommen haben. Wie sind Sie denn eigentlich zum Schreiben gekommen?

 

„Wenn ich das wüsste! Schon in der Grundschule habe ich mir Geschichten ausgedacht – und als ich noch nicht schreiben konnte, waren es eigene Lieder, die ich dann auswendig lernte. Geschichten erzählen hat mich durch mein ganzes Leben begleitet. Es geht einfach nicht ohne.“

 

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen Hundekrimi zu schreiben?

 

„Einen Roman mit Hunden wollte ich schon seit gut zehn Jahren schreiben. Meine ursprüngliche Idee war ein Buch wie aus der schwarzen Serie der amerikanischen Krimiliteratur. Ein heruntergekommener Straßenköter in einer Großstadt, plötzlich verschwinden alle Metzger – und damit auch alle Möglichkeiten auf erbettelte Wurstzipfel. Der Hund will das Rätsel lösen! Ich hatte sogar schon einen Titel: „Für eine Handvoll Hundekuchen“. Naja, vielleicht benutze ich den noch mal. Aber die ganze Idee fühlte sich nie hundertprozentig richtig an. Dann besuchte ich  eines  Tages  ein 
Trüffelsymposium im Sinziger Schloss, der Feinkosthändler Ralf Bos hatte die ersten Alba-Trüffel des Jahres mitgebracht. Den Karton öffnete er vor unseren Augen – eine faustgroße weiße Trüffel kam zum Vorschein. Direkt war das ganz besondere Odeur des Trüffels zu riechen und schon nach fünf Minuten war der ganze Raum zugetrüffelt. Vermutlich hat das auf meine Synapsen gewirkt, denn plötzlich war Giacomo da, die Figur, mit der für mich die Geschichte von „Tod & Trüffel“ begann. Er stand sofort in seiner ganzen Komplexität vor mir: ein alter Trüffelhund, eine Legende, mit der besten Nase, die je ein Hund in der Langhe hatte, mittlerweile auf seinem Altenteil in Alba, wo er lieber Wein trank und sich durchfraß. Erst später gesellte sich Niccolò zu ihm, der dann als kleines Windspiel zur eigentlichen Hauptfigur des ersten Romans wurde. Aber mit Giacomo fing alles an.“

 

Warum haben Sie sich entschieden, dass der Hundekrimi in Italien spielt?

 

„Ich wollte halt einen Krimi mit einem Trüffelhund schreiben – und da musste es das Piemont sein, die Heimat der kostbarsten aller Trüffel: der Tuber Magnatum, der weißen Alba-Trüffel. Köstliche Dinger sind das, fein gehobelt auf einer frischen Pasta, ein bisschen Olivenöl und Salz dabei – das ist der Himmel auf Erden.“

 

Wie ist Ihr eigenes persönliches Verhältnis zu Hunden?

 

„Ich liebe Hunde. Was bestimmt auch daran liegt, dass ich mit ihnen groß geworden bin, es waren immer mindestens zwei um mich herum. Und sie waren mehr als „Haustiere“ – das Wort trifft es überhaupt nicht. Es waren Freunde – und ich war als Kind immer der Meinung, dass sie eigentlich sprechen könnten, es nur nicht dürften. Solche Persönlichkeiten waren meine Hunde. Und mit „Tod & Trüffel“ hat sich dann der Kreis geschlossen, da konnten die Hunde dann wirklich sprechen.“

 

Ihre beiden Hundekrimis sind sehr erfolgreich. Was lieben die Leser Ihrer Meinung nach besonders an diesen Büchern?

 

„Ich glaube, sie lieben vor allem meine beiden Hauptfiguren. Denn in erster Linie sind die zwei Bücher die Geschichte ihrer Freundschaft und keine klassischen Krimis. Das läuft eher nebenbei. Meine Hunderomane werden außerdem von Lesern geschätzt, die Bücher verschlingen. Es gibt nämlich in beiden mehrere Handlungsebenen, so dass sie sich am vergnüglichsten lesen, wenn man sie möglichst in einem Rutsch durchschmökert.
Viele Leser berichten mir auch, dass die Bücher für sie wie Kurzreisen sind. Die besondere Atmosphäre des Piemonts und die sinnenfrohen Beschreibungen. Mir ist es sehr wichtig, dass meine Leser Italien sehen, hören, riechen und schmecken – vor allen Dingen die leckeren Speisen!“

 

Ihre Hauptpersonen sind die Hunde. Wie fühlen Sie sich in Ihre charmanten Hunde-Charaktere ein? War das eine großer Herausforderung für Sie? Was ist das Besondere daran, aus einer „Hundesicht“ zu schreiben?

 

„Das war tatsächlich der schwierigste Teil, denn natürlich müssen meine Hauptdarsteller reden und denken – was Hunde zumindest in dieser Form nicht können. Die Logik muss zudem menschlich nachvollziehbar sein, auch wenn einige zentrale Interessen (Futter finden, Laufen) oder Sinne (Riechen ist wichtiger als Sehen) anders sind. Beim Schreiben musste ich mich immer wieder daran erinnern: dein Blick ist nah am Boden, du riechst mehr als du siehst und du bist ein Hund! Denke wie ein Hund! Was interessiert einen Hund gerade jetzt? Was treibt ihn an? Das war gleichermaßen anstrengend wie faszinierend für mich.“

 

Glauben Sie, dass Hunde die besseren Menschen sind?

 

„Nein, aber Hunde sind die besseren Freunde. Bei ihnen weiß man immer, woran man ist. Sie lügen nicht, das ist doch enorm beruhigend, oder?“

 

Wir nehmen mit unserem Coaching-Angebot die andere Perspektive ein: Bei uns lernt der Mensch vom Hund. Glauben Sie auch, dass der Mensch einiges vom Hund lernen kann, und wenn ja, was genau?

 

„Gelassenheit, Freude uneingeschränkt zeigen, und im Moment sein, dass, was Zen-Mönche anstreben, und was uns Menschen so unglaublich schwer fällt. Außerdem würde ich gerne so schnell und zudem überall einschlafen können, wie ein Hund (ich schaffe es nämlich weder im Auto noch im Flugzeug…).“

 

Italien, Hunde & Wein. Da kommt bei mir sofort das romantische Bild des in der italienischen Abendsonne bei einem Glas Wein schreibenden Künstlers – zu Füssen der treue Giacomo! Das richtige Bild?

 

„Bei der Recherche in Italien habe ich es mir – ehrlich gesagt – vor allem gut gehen lassen. Ich wollte die Atmosphäre, das Dolce Vita spüren, damit es auch in den Romanen herüberkommt. Geschrieben wurde dann in Deutschland, öfters mit einem guten piemontesischen Wein neben dem Notebook, und ständig umringt von Fotos der Recherchereise.“

 

Was begeistert Sie an Italien, den Hunden und dem Wein, Ihrer zweiten Schreib-Passion?

 

„Dass alles wunderbar zusammenpasst.“

 

Zum Schluss: Dürfen wir weitere spannende Geschichten von Niccolò und Giacomo erwarten?

 

„Vorerst ist nichts geplant, im Frühjahr 2011 startet aber eine neue Krimireihe, bei der ein Hund seinem Herrchen eins um andere Mal aus der Patsche hilft. Denn es gilt: Hunde sind die besten Schnüffler!“

 

Wir danken für das Interview und wünschen Ihnen weiterhin viel Freude beim Schreiben und viel Erfolg bei Ihren spannenden Projekten.

 

Buch: „Tod & Trüffel – Ein Hundekrimi aus dem Piemont“, 2009 

Buch: „Blut & Barolo – Ein Hundekrimi aus dem Piemont“, 2010

 

 

Carsten Sebastian Henn wurde 1973 in Köln geboren und lebt mit seiner Familie und zwölf Rebstöcken in Hürth. Er studierte Soziologie, Völkerkunde und Geographie und arbeitet heute hauptberuflich als Schriftsteller und freier Weinjournalist für diverse nationale und internationale Magazine. Er sitzt in den Jurys mehrerer wichtiger Weinpreise und ist beim Gault Millau WeinGuide für das Anbaugebiet Nahe zuständig. Als Autor ist er vor allem bekannt durch seine preisgekrönten Hundekrimis  Tod und Trüffel und Blut und Barolo, welche mit  den beiden vierbeinigen kriminalistischen Genies Niccolò und Giacomo im Sturm die Leserherzen eroberten. Neben Romanen und  kulinarischen Krimis schreibt desweiteren Weinsachbücher.
Er studierte einen wunderbaren Sommer lang Weinbau in Australien & leitet nebenbei Deutschlands verrücktestes Weinprojekt – die „Deutsche Wein-Entdeckungs-Gesellschaft“. (www.weinentdeckungsgesellschaft.de).


Infos: www.carstensebastianhenn.de

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