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Respekt und Ethik

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Respekt & Ethik im Umgang mit Mensch und Tier

 

Seit 2007 baut Frau Dr. Carola Otterstedt die Stiftung Bündnis Mensch & Tier auf, die sie ebenfalls leitet. Die Stiftung hat es sich zur Aufgabe gemacht, die nachhaltige Förderung der Mensch-Tier-Beziehung auf der Grundlage einer artgerechten Tierhaltung und eines tiergerechten und respektvollen Umgangs mit dem Individuum Tier zu fördern. Dieses Engagement hat uns sofort interessiert, und wir haben nachgefragt.

 

Frau Dr. Otterstedt, wir freuen uns, dass Sie sich die Zeit für ein Interview genommen haben und kommen gleich zu unserer ersten Frage. Wie kamen Sie darauf, die Stiftung Bündnis Mensch & Tier zu gründen, gab es einen konkreten Anlass für Sie?

 

„Seit Beginn der 90er Jahre begleite ich als Sachbuchautorin und Dozentin die Entwicklung der tiergestützten Therapie in Deutschland. Anfang des neuen Jahrtausends entstand die erste berufsbegleitende Weiterbildung zur tiergestützten Arbeit in Deutschland und seitdem hat sich dieser Markt schnell weiterentwickelt. Ich besuche viele Projekte, Höfe, Pädagogen und Therapeuten, die Mensch-Tier-Begegnung bzw. tiergestützte Begleitung anbieten. Nicht immer waren Tierhaltung und methodische Arbeit so, wie ich es mir gewünscht hätte. Da das Tier in der tiergestützten Arbeit nicht mehr Objekt ist, wir vielmehr seine Persönlichkeit und einen auf seine Bedürfnisse orientierten Einsatz für eine nachhaltige Mensch-Tier-Beziehung benötigen, schien es mir und einigen engagierten Kollegen aus der Praxis und Wissenschaft dringend notwendig als Ansprechpartner für Fragen der Fachberatung, der wissenschaftlichen Begleitung und der qualifizierten Weiterbildung präsent zu sein. Die Stiftung hat sich dieser Themen angenommen und beabsichtigt eine nachhaltige und langfristige Förderung der Mensch-Tier-Beziehung in der Gesellschaft. Dies betrifft sowohl die Heim-, wie die Nutztierhaltung und eben nicht ausschließlich den Bereich der tiergestützten Arbeit. Wir kooperieren mit wissenschaftlichen Einrichtungen und Ministerien, veranstalten Tagungen und Facharbeitskreise, die starke Impulse für die Praxis haben. Wir wollen etwas verändern, sind aber auf sachlichen und leisen Sohlen unterwegs. Wir wollen überzeugen und uns durch fachlich gute Arbeit in Debatten einbringen. Der neue Weg des Tierschutzes, wie man über uns gesagt hat. Wir würden uns darüber freuen.“

 

Was fasziniert Sie an der Erforschung der Mensch-Tier-Beziehung am meisten?

 

„Die Beziehung. Schon der Mensch und das Tier sind für sich gesehen bereits in ihren vielfältigen Ausdrucksebenen und –formen, ihren Verhaltensweisen innerhalb ihrer Art spannend zu beobachten. Als Verhaltensforscherin interessieren mich zum einen eben diese Verhaltensformen, die sich besonders auch in einem artübergreifenden Dialog (Mensch und Tier) zeigen. Als Kulturwissenschaftlerin schaue ich andererseits noch auf eine zweite Ebene: Welche sozio-emotionalen Wirkungen entstehen aus der Begegnung zwischen Mensch und Tier? Welche Wirkung hat dies auf das Bindungsverhalten bis hin zu einer Beziehung zwischen Mensch und Tier? Und ganz besonders spannend: Welche Rolle spielt diese zwischenartliche „interkulturelle“ Beziehung in unseren verschiedenen Gesellschaftsbereichen?“

 

Bei unserem Coaching-Angebot nehmen wir eine andere Perspektive ein: Bei uns lernen Menschen vom Hund. Was können Menschen Ihrer Meinung nach von Hunden und anderen Tieren lernen?

 

„Zunächst einmal können wir lernen, dass ein Hund nicht nur ein Hund ist. Es ist Willi, der Terrier oder Cleo, die Wippethündin. Es geht also um – nicht nur auf ihre Art und Rasse reduzierten – Persönlichkeiten und Individuen mit sehr unterschiedlichen Charaktereigenschaften und Bedürfnissen, mit sehr unterschiedlichen Möglichkeiten des Dialogaufbaus und der Beziehungsfähigkeit. Vielleicht hilft es manchen Menschen aus der Perspektive einer anderen Art die eigene zu betrachten, aus der Perspektive des Anderen, des Fremden sein eigenes Ich wahrzunehmen, zu schätzen, vielleicht auch das ein oder andere zu reflektieren und zu ändern. Da der Mensch von Beginn an Jäger und Sammler war und die Beobachtungsgabe für beide dieser Tätigkeiten von entscheidender Bedeutung ist, besitzt eben diese Beobachtungsgabe auch heute noch einen hohen sozialen Wert. Beobachtung meint aber nicht nur mit den Augen sehen. Wir sollten uns trauen, alle unsere Sinne dafür einzusetzen und Geist und Intuition in Überlegungen miteinzubeziehen – ohne emotional zu Bewerten (die eigentliche Herausforderung für uns).“

 

Zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Das Titelthema dieser Ausgabe ist „Glück“. Was hat Sie in letzter Zeit besonders glücklich gemacht?

 

„Zwei Tage voller Sonne am Wasser in der Natur und eine interessante Begegnung mit einer liebenswerten Fliege.“

Vielen Dank für das nette Interview. Wir wünschen Ihnen und Ihrer Stiftung weiterhin viel Erfolg.

 

Empfehlenswerte Publikationen (Auszug) von Dr. Carola Otterstedt:

Erhard Olbrich und Carola Otterstedt (Hrsg.): Menschen brauchen Tiere: Grundlagen und Praxis der tiergestützten Pädagogik und Therapie (2003); Kosmos

Carola Otterstedt: Mensch und Tier im Dialog: Kommunikation und artgerechter Umgang mit Haus- und Nutztieren. Methoden der tiergestützten Arbeit und Therapie (2007); Kosmos

Carola Otterstedt und Michael Rosenberger (Hrsg.):  Gefährten – Konkurrenten – Verwandte: Die Mensch-Tier-Beziehung im wissenschaftlichen Diskurs (2009); Vandenhoeck & Ruprecht


Dr. phil. Carola Otterstedt
absolvierte ihr Studium der Geisteswissenschaften und der Verhaltensforschung in München. 1985/1986 war sie als Lehrerin an der Deutschen Schule sowie als Lektorin an der Tongji- Universität in Shanghai/VR China tätig. Nach einer Forschungsreise in Südost-Asien promovierte sie 1992 mit einer interdiziplinären Arbeit zum Thema Abschied im Alltag – Grußformen und Abschiedsgestaltung im interkulturellen Vergleich an der Hamburger Universität. Die Doktorarbeit erschien 1993 im Iudicium-Verlag und stellt detailliert Begegnungsformen von Menschen unterschiedlicher Kultur und Sprachherkunft dar. In Beispielen wird auf das Grußverhalten von Tieren vergleichend hingewiesen. Anfang der 90er Jahre hielt Carola Otterstedt Seminare und Vorträge zum Grußverhalten und zur Abschiedsgestaltung an Goethe-Instituten in Indien, Thailand und den Philippinen.

 

Tiergestützte Pädagogik & Therapie
Im Sommer 1999 begann Carola Otterstedt eine Langzeitstudie in einem Münchner Altenpflegeheim, welches regelmäßig von Tieren des Münchner Tierheims besucht wurde. Diese Studie bildete u.a. die wissenschaftliche Grundlage für ihr Buch Tiere als therapeutische Begleiter, welches einen umfassenden Überblick über das Thema Tiergestützte Pädagogik – Tiergestützte Therapie darbietet. So wird in diesem Buch detailliert aufgezeigt, für welche Menschen Tiere hilfreich sein können, welche Tiere für eine Begleitung, einen Besuch geeignet sind, welche Hygienemaßnahmen ratsam sind und worin im Einzelnen die positiven Effekte in der Mensch-Tier-Begegnung liegen.

 

In ihrer Freizeit begleitete sie zahlreiche Projekte der tiergestützten Pädagogik & Therapie in Deutschland. Bei Tierbesuchsdiensten in Pflegeheimen arbeitete sie schwerpunktmäßig mit bettlägrigen Patienten sowie auf betreuten Stationen mit Demenz- und Alzheimer-Betroffenen sowie Komapatienten.

 

Seit 2001 war Carola Otterstedt als Seminarleiterin, Dozentin und Mitglied des Prüfungsausschusses am Institut für soziales Lernen mit Tieren (Wedemark/Hannover) in der Weiterbildung für tiergestützte Pädagogik/Tiergestützte Therapie tätig. Es folgten diverse Studien zur Mensch-Tier-Beziehung und die Bücher „Menschen brauchen Tiere (2003)“ und „Mensch & Tier im Dialog (2007)“ im KOSMOS Verlag. 2007 gründete Carola Otterstedt die Stiftungsinitiative Bündnis Mensch & Tier (www.buendnis-mensch-und-tier.de), welche sich für eine nachhaltige Förderung der Mensch-Tier-Beziehung in der Gesellschaft einsetzt.


Stiftung Bündnis Mensch& Tier
Die Stiftung Bündnis Mensch & Tier hat es sich zur Aufgabe gemacht, die nachhaltige Förderung der Mensch-Tier-Beziehung auf der Grundlage einer artgerechten Tierhaltung und eines tiergerechten und respektvollen Umgangs mit dem Individuum Tier zu fördern. Sie wurde 2009 gegründet, Dr. Carola Otterstedt (s. Interview) ist die Stiftungsleiterin. Die Arbeit der Stiftung ist darauf ausgerichtet, die nachhaltige Entwicklung der verbesserten Beziehung zwischen Mensch und Tier zu fördern. Dieses Ziel verfolgt die Stiftung unter anderem durch die Förderung des interdisziplinären wissenschaftlichen Dialogs, der Förderung von Begegnungsstätten für Mensch und Tier und einem umfangreichen Beratungs- und Weiterbildungsangebot. Konkrete Praxisbeispiele für diese Arbeit sind die vom 8. bis 9. November 2010 in Tutzing stattfindende Tagung „Das Tier an sich. Neue wissenschaftliche Perspektiven der Mensch-Tier-Beziehung“ und ein stetig wachsendes Netzwerk an Begegnungshöfen, die den achtsamen Kontakt zwischen Mensch und Tier fördern.

 

Weitere Informationen:
www.buendnis-mensch-und-tier.de

 


 
 

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