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Danke Krise

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Danke Krise!

Wir leben in schrecklichen Zeiten. Überall Krise. Da ist die allgemeine Krise oder Wirtschaftskrise oder Kapitalismus-Krise. Und möglicherweise kommt bei dem ein oder anderen eine persönliche Krise hinzu. Glückwunsch! In diesen Zeiten der doppelte Krisen-Hauptgewinn. Da komme ich doch auf die Idee, die Krisen hätten sich zu einer konspirativen Gemeinschaft verbündet, uns durchzurütteln, aufzuwecken, auf die Probe zu stellen. Dabei war alles so schön. Nett haben wir es uns eingerichtet in unseren Komfortzonen.

 

Und mitten herausgerissen wurden wir all unserer Illusionen beraubt. Mitten hineingefressen ins Dauerglück hat sich die Krise. Die Generation Golf, Doof oder seit dem Roman von Coupland die Generation X hat dem nichts entgegenzusetzen, haben wir doch gelernt, dass  es uns gut gehen soll und damit auch gut gehen muss. Coupland hat es gut gemeint mit dem X, denn wir sollten frei sein von der Benennungswut der Werbestrategen und insofern in kein Schema gepresst werden. Schließlich sind wir die erste Generation, der sich alle Möglichkeiten der persönlichen Entfaltung global bieten. Doch Coupland ahnt, dass es da heftig wackelt im „Alles kann – nichts muss“-Denkgebäude. Während unsere Eltern, die Wirtschaftwunder-Kinder, noch lustig vor den prall gefüllten Käse-Igeln saßen, sitzen wir nun ratlos vor unseren fallenden Aktiendepots, hilflos den AlkaSeltzer für die durchgezechte Wirtschaftswunderwachstums-Epoche suchend. „Katerstimmung nach der auf Pump veranstalteten großen Sause“ bezeichnet Coupland bereits 1991 die Stimmung in der amerikanischen Gesellschaft. Ach was, haben wir wohl gedacht, weiter gefeiert, zu viel ferngesehen und zu wenig nachgedacht. Nichts ist unmöglich, bekannt aus der Werbung impliziert ja, dass alles möglich ist. Und in den Jahren nach 1991 entdeckten die hellen Köpfe in den Schaltzentralen für allgegenwärtigen Wohlstand dann bunte Möglichkeiten für immer mehr Produkte, uns noch reicher und damit noch glücklicher zu machen. Die Parkstrasse und Schlossallee gerade prächtig bebaut, mussten wir plötzlich wieder zurück auf Los im weltweiten Monopoly. Man versteht danach den Bedarf einer kollektiven Therapie der Generation X und generiere daraus das Geschäftsmodell für die nachfolgende Generation, die Stand heute mangels Identifikation noch keinen Namen trägt. Das neue Geschäftsmodell? Der Therapeutenmarkt! Ersetzen wir das Glück des globalen Kaufrauschs durch lokale Sinnfindungssuche, ferngesteuert weiterhin durch Glücks- und Heilversprechen beruhigt der eigenen Handlungsfähigkeit beraubt. Vielleicht aber begreifen wir endlich, dass wir völlig eigenständig die hinterlassene Wüste der vorherigen Generation rekultivieren können – und unsere eigene nebenbei, sagen „DANKE Krise!“ – und packen an.

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