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Souveräne Führung und der Umgang mit Macht

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Souveräne Führung und der Umgang mit Macht

 von Michaela Knabe, coachdogs® Akademie

 

Mit dem Begriff Macht verbinden viele Menschen eher negative Assoziationen und denken zuerst an Machtmissbrauch. In der Tat kann Macht dazu genutzt werden, sich Vorteile zu verschaffen, Ego-Trips auszuleben oder unerwünschte Meinungen zu unterdrücken. Doch Macht ist nicht per se schlecht und in Unternehmen sogar unabdingbar, um Veränderungen voranzutreiben.

 

Unternehmen sind darauf angewiesen, Ziele und Strategien den sich permanent verändernden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen anzupassen und sie schnellstmöglich zu realisieren. Führung hat also im Grunde immer mit Macht zu tun und ist dann notwendig, wenn es darum geht, schnelle Entscheidungen zu treffen und die Verantwortung dafür zu übernehmen. Macht kann auch notwendig sein, um in Unternehmen Ordnung und Sicherheit herzustellen. Ohne Macht würde vielleicht das Chaos regieren und jeder machen, was er möchte. Insbesondere in Zeiten des Umbruchs und der Unsicherheit ist ein stärkeres Richtungsweisen zur Orientierung manchmal durchaus erforderlich.

 

Macht war schon immer Bestandteil eines sozialen Systems und damit jedes Unternehmens. Entscheidend ist deshalb nicht, dass es Macht gibt, sondern wie damit umgegangen wird. Es ist nicht die Macht an sich, von der die Gefahr ausgeht, sondern die Menschen, die sich ihrer bedienen – genauer gesagt, die Haltung, aus welcher heraus sie handeln und die Absichten und Ziele, die sie damit verfolgen.

 

Machtausübung

Führung und Macht sind untrennbar miteinander verbunden. Eine Führungskraft sollte Macht ausüben können, um Dinge zu bewegen und benötigt dafür die Unterstützung und den Rückhalt des Teams. Das bedeutet, dass sich alle dazu verpflichten, die gemeinsamen Ziele zu erreichen und die damit einhergehende Macht- und Rollenverteilung zu akzeptieren. Damit nehmen die Mitarbeitenden diese ausgeübte Macht im Sinne des Unternehmens und des gemeinsamen Ziels an. Voraussetzung dafür ist das gegenseitige Vertrauen zwischen Organisation, Führungskraft und Mitarbeitenden. Denn alle Machtbeziehungen sind wechselseitig. Jede Seite wird durch die andere beeinflusst und leistet einen Beitrag zur Machtentstehung und -erhaltung.

 

Macht zu haben ist das eine. Das andere ist die Bereitschaft, damit souverän und verantwortungsbewusst umzugehen und die übertragene Macht im Sinne des Gemeinwohls auszuüben. Die mächtigste Position hilft wenig, wenn ihr Inhaber dazu nicht in der Lage ist.

 

Machtmissbrauch

Ungute Formen von Macht können entstehen, wenn Führungskräfte ihre Entscheidungsmacht über Beförderungen, Gehaltserhöhungen, Ressourcen und Strafen bewusst oder unbewusst nutzen, um Gefolgschaft zu erzeugen. Führungskräfte, die ihre Macht zu offensiv einsetzen, laufen außerdem Gefahr, schlechtere Entscheidungen zu treffen. Denn erstens ziehen sie nicht alle Optionen in Erwägung, weil sie sich in erster Linie auf ihre eigenen Überzeugungen konzentrieren und zweitens trauen sich Mitarbeitende irgendwann nicht mehr, die vom Chef getroffenen Entscheidungen in Frage zu stellen oder resignieren schlimmstenfalls sogar ganz.

 

Macht wird häufig auch missbraucht, um mangelndes Selbstbewusstsein zu kompensieren. Je mehr sich jemand unterlegen oder minderwertig fühlt, desto größer ist sein Bedürfnis, seine Position abzusichern. Dieses Bedürfnis kann auf verschiedene Arten ausgelebt werden: zum Beispiel durch Besserwisserei, durch moralische Überlegenheit oder eben durch Macht. Kennzeichen für diesen Machtmissbrauch ist, dass er immer eine gegen andere Menschen gerichtete "Beweisführung" enthält: er zielt darauf, sich selbst zu erhöhen, indem man andere erniedrigt, sei es auf intellektuellem, moralischem oder praktischem Gebiet, also durch Zwang. Letzteres ist für Mitarbeitende besonders bedrohlich, weshalb die Angst vor Machtmissbrauch oft größer ist als die vor Besserwisserei.

 

In wirtschaftlich schwierigen Situationen ist immer wieder zu beobachten, dass Führungskräfte auf diese bewährten Verhaltensmuster zurückgreifen und dabei Macht direkt, autoritär oder sogar brutal einsetzen. Keine Spur mehr von der Beteiligung der Mitarbeitenden an Entscheidungsprozessen oder der Delegation von Kompetenzen. Die fatale Folge dieses Verhaltens ist, dass Mitarbeitende ihrer Führungskraft die Gefolgschaft kündigen. Sie kündigen damit das Commitment, sich von diesem Menschen führen zu lassen – doch dieses Commitment ist die Voraussetzung für dauerhaften Erfolg. Allein aufgrund formaler Macht ist eine verantwortungsvolle Führung von Menschen nicht möglich.

 

Souveräne Macht

Eine souveräne Machtausübung wird oftmals kaum wahrgenommen oder sogar als wohlwollend empfunden. Das liegt daran, dass souveräne Machtausübung ohne Demütigungen und spektakuläre Siege auskommt – und damit ohne Niederlagen für andere. Das Ziel ist nicht, die eigene Überlegenheit zu beweisen, sondern Dinge zu bewegen, Weichen zu stellen und Energien in die richtige Richtung zu lenken.

 

In Gesprächen und Diskussionen wird Überzeugungsarbeit geleistet, deren Durchsetzung meist unspektakulär und beinahe unauffällig abläuft. Kompromissbereitschaft im Detail paart sich mit Klarheit im großen Ganzen. Der Zielkonsens findet nicht durch spektakuläre Kämpfe statt, sondern durch kluges Gestalten von Prozessen und durch das frühzeitige Setzen von Signalen – also letztlich durch Konfliktprävention. Souveräne Macht ist Ausdruck einer Haltung, die nicht auf Besiegen, sondern auf Gestaltung und Zusammenführung zielt.

 

Souveräner Umgang mit Macht von Hunden lernen

In einem Rudel ist immer der intelligenteste und mental stärkste Hund der Chef – nicht der, der am lautesten bellt. Mit Gewalt seine Macht zu demonstrieren, hat ein echter Rudelführer gar nicht nötig, denn bei Hunden geht es in erster Linie um Vertrauen und Respekt. Dieser Respekt wird nicht durch Macht und Kampf erarbeitet, sondern nur durch Handlungen. Vertrauen entsteht, indem der Chef ein Vorbild ist und seine Entscheidungen klar, konsequent und zum Wohlergehen des Rudels trifft.

 

Für Hunde sind zudem Sicherheit und Zuverlässigkeit wichtig. Damit ein Hund einen Rudelführer anerkennt, muss man ihm zeigen, dass man Situationen besser einschätzen kann und zuverlässig die richtigen Entscheidungen trifft. Hunde müssen wissen: Egal in welcher Situation, der Chef verliert nie die Nerven, sondern agiert stets souverän, kompetent und bleibt auch in schwierigen Momenten gelassen. Die, die diese Gelassenheit und Souveränität ausstrahlen, sind die Entscheidungsträger, nicht die Lautesten. Denn die wollen meist nur von ihren eigenen Schwächen ablenken.

 

Fazit

Wer führt, hat Macht. Souverän ist, wer mit dieser Macht sorgsam und verantwortungsbewusst umgeht, um etwas bewirken zu können. Sowohl ein Rudel als auch ein Unternehmen sind Überlebenseinheiten, in denen konstruktive Zusammenarbeit Vorrang haben muss, denn über Erfolg entscheidet immer die Gesamtleistung. Dafür braucht es keine dominante Machtauslebung, sondern Kooperation und den Einsatz aller Kräfte für das gemeinsame Ziel. Erst durch eine Kombination aus Persönlichkeit, Funktion und Aufgabe entsteht eine solide Machtbasis – und nur durch Klarheit, Haltung und Glaubwürdigkeit in der Person des Mächtigen wird diese Macht auch akzeptiert.

 

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